Seelische Spätfolgen nach Abtreibung

Quelle: "Chancen für das ungeborene Leben", Universitätsverlag, Köln 1988;Dr.phil.Maria Simon, klinische Psychologin, Univ.-Frauenklinik, Würzburg

Die Behauptung, dass seelische Spätfolgen nach einer Abtreibung selten und nur kurzfristig seien, stimmt nicht. Bei dem traumatisierenden Eingriff der Abtreibung vollbringt die schwangere Frau einen widernatürlichen Akt, der ihrem weiblichen Sein und Wesen und einer möglichen Erfüllung ihrer weiblichen Polle, nämlich der Mutterschaft, diametral entgegenläuft. Die durch die Abtreibung bei der Frau ausgelöste Identitätskrise ist sehr schwer.

Möglische psychische Spätfolgen nach einer Abtreibung werden von einem sehr hohen Prozentsatz (~80%) befragter Frauen bejaht.

  • Gehäuft treten auf:
  • Reue- und Schuldgefühle
  • Selbstvorwürfe Stimmungsschwankungen und Depressionen bis hin zu Selbstmordversuchen und gelungenem Selbstmord
  • Unmotiviertes Weinen
  • Angstzustände und schreckhafte Träume  

Oft wird das seelische Geschehen begleitet von funktionellen Störungen (körperliche Störungen ohne medizinischen Organbefund):

  • Herzrhytmusstörungen
  • Labiler Blutdruck
  • Magen-, Darmstörungen
  • Unterbauchsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Vorzeitige Wehentätigkeit bei erneuter Schwangerschaft usw.  

Frauen, die abegtrieben haben, praktizieren vier Psychomechanismen, um seelische Spätfolgen nach Abtreibung abzuwehren, bzw. zu verarbeiten:

  • Die Verdrängung bzw. Veleugnung
  • Die Projektion
  • Die Rechtfertigung
  • Die Konfrontation

Die Verdrängung bzw. Verleugung

Bei der Verdrängung wird das traumatisierende Abbruchgeschehen vom Bewußtsein ins Unbewußte abgeschoben. Alles, was verdrängt ist, ist aber nicht verarbeitet. Deshalb setzen bei der Verdrängung sehr häufig funktionelle Störungen ein, d.h. der seelisch nicht verarbeitete Eingriff reagiert sich auf der körperlichen Ebene ab.
Bei der Verleugnung wird die Abtreibung nicht verdrängt, sondern total verneint.

Die Projektion

Bei Psychomechanismus der Projektion schiebt die Frau die Schuld für die Abtreibung von sich weg auf eine andere Person, die sie in die Abtreibung gedrängt, respektive dazu animiert hat: z.B. der Kindsvater, die Eltern, der oder die Ärzte, die die Indikation erstellt oder den Abbruch vorgenommen haben oder der soziale Berater. War der Kindsvater die treibende Kraft für die Abtreibung, dann reagiert die Frau sehr oft mit sekundären Sexualstörungen, wie Gefühlskälte, Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Verhehr, um damit unbewußterweise den Mann zu bestrafen. Nicht selten kommt es zum totalen Abbruch der Partnerbeziehung.

Die Konfrontation

Die Konfrontation ist die Möglichkeit, seelisch nach Abtreibung wieder in die Balance zu kommen.

Die Konfrontation läuft in vier Phasen:

     

    • Die Frau steht zu ihrer Schuld: sie verdrängt nicht, projiziert nicht, rechtfertigt sich nicht.
    • Die Frau empfindet Reue über die Tötung ihres ungeborenen Kindes.
    • Die Frau trauert um ihr ungeborenes Kind so, wie man normalerweise auch um einen geborenen Menschen trauert, den man liebte und der verstorben ist.
    • Die Frau versucht, die Abtreibung in einer anderen Form wieder gut zu machen: z.B. wird sie wieder schwanger, nimmt ein Kind in Pflege oder zur Adoption, wird sozial aktiv in einem Kinder- oder Altenheim, in einer kinderreichen Familie oder arbeitet in einer Lebensrechtsbewegung mit.

Der Schwangerschaftsabbruch löst keine psychosozialen Probleme. Die Probleme bleiben meist weiter bestehen und das Risiko der schweren psychischen Schädiung der Frau, die ihr Kind abtreiben läßt, kommt neu und erschwerend hinzu.

Bei der Abtreibung gibt es zwei Opfer: das ungborene Kind und die Frau, die das Ungeborene töten läßt.